Handyakku tauschen

Wenn ich unterwegs war, hatte ich immer Angst, dass der Akku meines Handys nicht lange durchhalten würde. Die Powerbank, die ich immer dabei hatte, lud den Akku nicht mehr vollständig. Langsam erreichte es einen Zustand, in dem ich etwas tun musste.

Akku entlädt sich zu schnell – Handlungsoptionen

Mein Handy ist ein älteres Modell. Ich habe es gebraucht bzw. refurbished gekauft. Der Akku war von Anfang an nicht so gut, aber es ging noch. In den letzten Wochen fand ich es jedoch nicht mehr wirklich auszuhalten.

Folgende Optionen hatte ich:

  • Nichts tun und warten bis der Akku ganz aufgibt.
  • Ein neues (gebrauchtes) Handy kaufen.
  • Den Akku tauschen.

Diese Optionen kann ich mir inzwischen leisten ohne sehr große Bauchschmerzen zu haben.

Nichts tun kam für mich nicht in Frage, weil mir das Risiko zu groß war, dass das Handy in einem echt schlechten Moment nicht mehr funktionieren würde.
Bei einem neuen Handy – egal ob refurbished oder tatsächlich neu – würde ich mir ein neueres Modell aussuchen. Eines, das noch länger Versions- und Sicherheitsupdates erhält. Darauf hatte ich keine große Lust. Außerdem wollte ich nicht viel Geld ausgeben.
Aus diesen Gründen und aus Nachhaltigkeitsgründen entschied ich mich, den Akku zu tauschen. Mein Handymodell wird offiziell bis Juli 2027 mit Sicherheitsupdates versorgt. Ein Akkutausch lohnt sich also noch. Leider sind Akkus verklebt und können nicht einfach so getauscht werden. Falls also etwas schiefgehen sollte, würde ich mir ein neues Handy kaufen (müssen).

Was es braucht, um den Handyakku zu tauschen

Der Punkt ist erreicht, an dem mich der Zustand des Handyakkus genug nervt.
Ich kann es mir leisten, einen neuen Akku und ggf. ein neues Handy zu kaufen, sollte mein Handy beim Tausch kaputtgehen. Und ich habe die Entscheidung getroffen, den Tausch zu versuchen.

Folgende Materialien sind dafür notwendig:

  • ein neuer, passender Akku,
  • Werkzeug, sofern es nicht mit dem Akku geliefert wird.

Ein Handyreparaturset besitze ich bereits. Es ist kompakt und kostet zwischen 15-20 EUR. Es ist sehr praktisch, da es viele Aufsätze für kleine Schrauben enthält. Ich verwende es für unterschiedliche Dinge. Bei dem Akku, den ich bestellt hatte, war aber das passende Werkzeug bereits enthalten.

Bei solchen Aktionen hilft es mir, mir verschiedene Anleitungen durchzusehen. Allerdings besteht immer das Risiko sich darin zu verlieren. Es ist für mich daher leichter, es eher früher auszuprobieren.

Da es bei IFIXIT keinen Ersatzakku für mein Handy gab, habe ich „Handymodell Akku“ in die Suche eingegeben. Falls du dein Handymodell nicht mehr kennst, findest du die Bezeichnung in den Einstellungen über die Suche nach „Modell“. Der Akku für mein Handy hat ca. 25 EUR gekostet.

Außerdem brauchte ich ausreichend Zeit für den Tausch:

  • damit ich ruhig genug war, um mich darauf konzentrieren zu können.
  • besonders für den Fall, dass es nicht sofort klappt oder ganz schiefläuft.
  • für die Handysicherung und Durchführung der Aktion.

Schritt für Schritt Anleitung

Sicherung

Für den Fall, dass das Handy bei der Aktion kaputtgehen sollte, habe ich meine Handydaten gesichert.

Bei mir waren es nur die Fotos. Alles andere wird bei mir synchronisiert. Im Zweifel hätte ich alle Ordner des Handys auf eine Festplatte kopiert.

Etwas problematisch fand ich die Apps, die ich benötige, um mich beim Online-Banking anmelden zu können. Im schlechtesten Fall hätte ich neue Aktivierungsbriefe benötigt.

Ein Handy ist ein Computer

In der Regel gibt es keine Anleitung, die zu hundert Prozent zu meiner Situation passt, also zu dem Gerät, den Werkzeugen und dem Ausgangswissen, über das ich verfüge.

Da hilft es mir, mir zu verdeutlichen, dass ein Handy ein Computer ist. Mit dieser Schablone kann ich die Anleitungen besser einordnen oder sie an meine Bedürfnisse anpassen.

Ein Computer besteht aus folgenden Komponenten:

  • Gehäuse,
  • Hauptplatine: darauf befinden sich der Prozessor und die Verbindungsmöglichkeiten für Peripheriegeräte (z.B. Monitor/Display, Tastatur, Lautsprecher).

Die Peripheriegeräte werden über Kabel mit der Hauptplatine verbunden. Außerdem wird eine Stromquelle benötigt. Dies kann ein Akku oder ein Stromkabel zur Steckdose sein.

Wenn etwas ausgetauscht oder repariert werden soll, dann sieht das Vorgehen grob wie folgt aus:

  1. Öffne das Gehäuse.
  2. Entferne die Peripheriegeräte. Dieser Schritt muss eventuell vor dem Öffnen des Gehäuse passieren.
  3. Tausche oder repariere das entsprechende Teil.

Das gilt für Handys, Laptops und andere „smarte“ Geräte.

Je nach Verwendungszweck gibt es unterschiedliche Peripheriegeräte.

Beim Handy ist das Display mit Touchfunktion das Peripheriegerät und der Akku die Stromquelle.

Anleitungen anschauen oder lesen

Ich habe mir 3 Videos angesehen und die IFIXIT-Anleitung überflogen. Damit habe ich versucht, die Übereinstimmungen zu finden und die wesentlichen Schritte herauszufiltern. Dann habe ich mich für ein Hauptvideo entschieden, das mir am angenehmsten war. Diesem bin ich den Schritten nach im Wesentlichen gefolgt und habe bei Bedarf auf den anderen Seiten nachgesehen.

Akku tauschen

Folgende Schritte habe ich dann ausgeführt:

  1. Schalte das Handy aus.
    Der Akku sollte wegen der Brandgefahr unter 25% entladen sein. Das hatte ich leider zu spät gelesen. Ich wollte den Tausch jedoch nicht verschieben. Mein Akkustand war bei ca. 50%.
  2. Trenne das Display vorsichtig, aber auch nicht zu zaghaft, vom Gehäuse.
    Hier besteht das Risiko, dass das Display kaputtgeht. Wenn das Display herausgehoben ist, klappe es wegen der Displayverbindung nur vorsichtig um.
    Ich habe das Display nach und nach herausgehebelt und dabei das Gehäuse leicht zerkratzt. Aber das macht nichts, weil das Gehäuse sowieso Gebrauchsspuren aufweist und die Stelle durch eine Handyhülle verdeckt wird.
  3. Trenne die Displayverbindung vorsichtig von der Platine.
  4. Löse die Schrauben, um die Abdeckung zu entfernen und an den Akku herankommen zu können.
  5. Löse den festgeklebten Akku vorsichtig.
    Bei mir gab es Plastikstreifen um den Akku. Diese habe ich durch Hin- und Herschieben genutzt, um den Akku zu lösen. Das hat teilweise funktioniert. Am Schluss habe ich den Akku vorsichtig weggerissen.
  6. Entferne die Klebereste des Akkus.
  7. Bringe neue Klebestreifen für den neuen Akku an.
    Die Klebestreifen wurden bei meinem Akku mitgeliefert.
  8. Klebe den neuen Akku fest.
  9. Verbinde den Akku mit der Platine!
    Das hatte ich zuerst nicht gemacht. Die Verbindung hatte ich lose hingelegt und beim späteren Test ging mein Handy nicht an. Da habe ich einen Schreck bekommen. Beim Lösen des alten Akkus hatte ich nicht gemerkt, dass es diese Verbindung gibt, und habe nicht mitgedacht. In den Videos hatte ich das nicht gesehen. Ich habe dann alles noch einmal aufgeschraubt und mir alles genau angesehen, bis ich die Verbindungsstelle für den Akku gefunden habe.
  10. Schraube die Abdeckung mit nur ein paar Schrauben wieder fest.
  11. Schließe die Displayverbindung wieder an.
    Das fand ich etwas frickelig. Das Display selbst kann erst einmal lose bleiben.
  12. Schalte das Handy ein und teste, ob es funktioniert.
  13. Falls es funktioniert hat, drehe alle Schrauben wieder hinein und setze das Display wieder richtig drauf.

Es gibt zusätzliche Schritte, die ich nicht durchgeführt habe, da mir das entsprechende Material gefehlt hat:

  • Den alten Kleber des Displays entfernen und neuen Kleber anbringen.
  • Wärmeleitpaste entfernen und neue anbringen.

Es wäre schön gewesen, es ordentlich zu machen. Aber auch so hat es funktioniert.

Der Tausch hat geklappt!

Der Akku lädt nun wieder schneller.

Ich war überzeugt, dass das Entladen und das unzureichende Aufladen mit der Powerbank am Akku lag. Jetzt habe ich mit dem Tausch diese Fehlerquelle ausgeschlossen. Das hat es ermöglicht, dass mein Blick sich erweitert hat.

Der Akku entlädt sich immer noch relativ schnell. Dann liegt es wahrscheinlich an meinem alternativen Betriebssystem auf dem Handy. Ich könnte versuchen, ob ich wieder das Original-Android installiere oder ich finde mich damit ab. Erstmal genügt es mir so.

Das Laden mit der Powerbank ist immer noch unzureichend. Da ist mir aufgegangen, dass eine Powerbank auch ein Akku ist und ihre Kapazität verlieren kann. Die Powerbank nutze ich schon sehr lange. Ich habe mir jetzt eine neue Powerbank bestellt (und auch das kann ich mir zum Glück leisten).

Ich bin stolz darauf, dass mir der Tausch gelungen ist. Das hätte ich mir früher nicht vorstellen können. Eine Erfahrung mehr.

Wenn du ein Gerät hast, das sowieso Weggeworfen werden soll, wäre das vielleicht eine Gelegenheit für einen Reparaturversuch?

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